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Monday, 26 October 2015

Kurztrip nach Warschau

Ich mochte Amsterdam, aber Warschau hat mich absolut begeistert. 
Wo es in Amsterdam nach Cannabis und süßen Waffeln riecht, stinkt es in Warschau nach Abgasen und Urin. Wo Amsterdam piktoresk und schön ist, ist Warschau edgy und von Gegensätzen gezeichnet. In Amsterdam habe ich Prostituierte hinter Glastüren gesehen, in Warschau wurde ich in einem dreckigen Hinterhof von einer heruntergelebten Hure angesprochen, die ihre besten Jahre lange hinter sich hatte. Ich mochte beide Städte, aber jede auf ihre eigene Art.

Palast der Kultur und Technik und Skyscarper Zlota 55.

An Warschau hatte ich keinerlei Erwartungen, denn ich hatte zwar viel über den Wandel der Stadt von einer osteuropäischen Stadt in Ruinen zu einer trendigen und hippen Metropole gehört, aber Reiseführer sagen ja viel, wenn der Tag lang ist und so dachte ich, ich sehe einfach mal, was auf mich zukommt. Dementsprechend überrascht war ich, als ich zuerst einmal einem Wolkenkratzer gegenüber stand, der mich entfernt an das Empire State Building erinnerte. Ein Geschenk von Stalin, mit dem bescheidenen Namen "Palast der Kultur und Technik". Warschau ist eine Stadt der Widersprüche: historische Gebäude neben Wolkenkratzern, Huren neben russischen Milliardärstouristen, der Gestank von Urin und der Geruch von Chanel No. 5. Warschau ist schön, edgy, dreckig, verfallen, gepflegt und das alles innerhalb von wenigen Hausnummern. Nicht überall, aber vielerorts reihen sich glänzend neue Stahlglas-Fassaden nahtlos ein in Häuserzüge geprägt von abrissreifen Häusern, deren Fenster vernagelt oder zugemauert sind. Auch der Palast der Kultur und Technik ist umgeben von abrissreifen Häusern und atemberaubenden Wolkenkratzern. Warschau ist nicht hübsch, aber sehr reizvoll und interessant. Und überall findet man Spuren seiner bewegten, blutigen und dunklen Geschichte, egal wie sehr sich die Stadt bemüht, diese wegzurenovieren, wo sie nicht erwünscht sind. In der Straße Prozna stand bis vor Kurzem der letze erhaltene Straßenzug aus den Zeiten des Warschauer Ghettos, komplett mit Einschußlöchern in den Hauswänden. Diese wurden und werden jetzt restauriert. Man möchte nicht, dass die Anwohner sich von den Geistern der ermordeten Juden verfolgt fühlen.

Erinnerungen an eine dunklere Vergangenheit, wo einst das Ghetto war. An einem Fenster stand: "My Family Roots"

Man möchte an sich gerne Anwohner anlocken. An anderen Stellen wird jedoch mit Pathos und Stolz an die Helden des Ghetto-Aufstandes 1943 und des Warschauer Aufstandes 1944 erinnert. Beide Aufstände hatten die Nationalsozialisten zum Gegner und beide waren gekennzeichnet von einer starken Unterlegenheit der Einwohner gegenüber den Besatzern. Der Ghetto-Aufstand dauerte trotz der schlechten Bewaffnung der Einwohner und deren Hungerleiden und sonstigen Krankheiten 28, der Warschauer Aufstand 63 Tage. Beide Aufstände zeugen von der Wehrhaftigkeit der Warschauer und von ihrem Willen für ihre Stadt zu kämpfen, beide wurden blutig niedergeschlagen, erst das Ghetto und dann die Stadt weitgehend zerstört. Ein weiterer Grund dafür, dass vom Ghetto nur noch wenig erhalten ist. Das einzige was man noch sehen kann, sind die besagten Häuser in der Ulica Prozna, der letzte Rest der Ghetto-Mauer, der in einem Hinterhof die Wohnhäuser Ulica Sienna 55 und 57 voneinander trennt, sowie in die Gehwege eingelassene Markierungen an einigen markanten Stellen entlang derer sich die Ghettomauer zog. Doch der Geist des Ghettos ist noch überall in der Gegend zu finden. Und das ganz fassbar. Man muss sich nur umsehen und stellt fest, dass die Häuser in der Gegend des Ghettos stellenweise etwas höher stehen als die im Rest der Stadt, dass die Straßen nicht ganz eben sondern etwas hügelig sind. Das liegt daran, dass es während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg zu teuer gewesen wäre, ein so großflächiges Gebiet zu räumen und so baute man einfach auf den Ruinen des Ghettos das neue Warschau. 

 Der letzte Rest der Ghettomauer in einem Hinterhof

Erinnerung an den Verlauf der Ghettomauer

Für die Altstadt hingegen fand sich Geld. Vom Staat, aber auch von Sponsoren. So historisch die Altstadt aussieht, so faszinierend der Königspalast ist, der sich bis weit in die Geschichte zurückdatieren lässt, so sehr trügt der Eindruck. Denn die gesamte Warschauer Altstadt ist im Krieg bzw. in den Tagen in denen die Nazis die Stadt verließen, zerstört worden. Um dann mühevoll und auf Grundlage alter Fotografien und Gemälde des Malers Canaletto. Insbesondere der Königspalast verdankt seinen detailgetreuen Wiederaufbau dem italienischen Maler. 
Ich möchte hier keinen Reiseführer zusammenstellen, denn die findet man überall, vielmehr möchte ich sagen, was mir an Warschau besonders gut gefallen hat: 

1. Die neue Mitte rund um den Palast der Kultur und Technik
Besonders ein Besuch der Aussichtsterasse im 30. Stock lohnt sich, aber auch sonst finden sich hier alle wichtigen Geschäfte in der Nähe, ob man nun in das Shoppingcenter Zlote Tarasy geht oder sich in den Metropassagen unterhalb des Platzes verirrt. In den Zlote Tarasy gibt es ein Restaurant, das auch polnische Spezialitäten anbietet. In Buffetform. Das bedeutet, man nimmt sich, was man probieren möchte, und zahlt dann nach Gewicht des zusammengestellten Tellers. 

2. Das Museum des Warschauer Aufstandes
Hier erinnert man mit Stolz an den Aufstand der Warschauer im Angesicht eines übermächtigen und brutalen Gegners. Allerdings muss man diese Ausstellung mit Vorsicht genießen, denn bisweilen sind die Videos aus der Zeit extrem brutal, einige sind verstörend. Als Deutsche habe ich mich hinterher schwergetan, ein Gefühl des Fremdschämens abzuschütteln. Allerdings hatte das nicht nur mit meiner Herkunft zu tun. Sicherlich hat man viele der Greueltaten erzählt bekommen, man hat über und von ihnen gehört, aber ein Zeuge zu sein, wie diese Grausamkeit eine komplette Stadt verändert und einen Großteil ihrer Bewohner das Leben gekostet hat, das ist etwas anderes. Konkrete Folgen des Terrors zu sehen, macht das alles greifbarer, insbesondere in einer Stadt, die so sehr darunter zu leiden hatte wie Warschau. Das Gefühl, das sich jedoch am vordergründigsten einstellte, war die Frage: "Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun oder dabei zusehen, wie diese Dinge getan werden? Wie haben die Beteiligten damals ihre Taten gerechtfertigt?" Und das wiederum ist im Sinne des Museums. Man gedenkt derer, die sich mutig dem Terror entgegenstellten und für ein freies Polen kämpften, die für ihre Heimat kämpften, und gleichzeitig zeigt man, dass etwas so Grausames sich nie wieder ereignen darf. 

Denkmal der Helden des Warschauer Aufstandes

3. Palast und Garten Lazienkowski
Hier habe ich mich mit einem Mal in einem chinesischen Pavillon neben Tai Chi-Sportlern wiedergefunden und durfte dann den Palast auf dem Wasser und die reproduzierten Ruinen des Forum Romanum bewundern. Gerade für Spaziergänge sehr geeignet und etwas zu sehen gibt es alle naselang.

Der chinesische Garten

4. Die Altstadt
Mit all ihren gewundenen Gassen, der Syrenka, dem Wahrzeichen Warschaus und den Kamienne Schodki, den Steintreppen. Fast könnte man vergessen, dass all das wiederaufgebaut wurde und nicht hunderte von Jahren alt ist.

 
In der Altstadt: The Little Insurgent-Denkmal vor der Stadtmauer, Kamienne Schodki

Nach Warschau gekommen bin ich sehr günstig mit der Deutschen Bahn; von Berlin aus habe ich pro Richtung gerade einmal 29e bezahlt. Die Fahrzeiten waren dafür ebenfalls optimal, ich bin morgens um 6:40 in Gesundbrunnen abgefahren und dann über Lichtenberg und Frankfurt/Oder nach Warschau gefahren. Die Fahrt dauerte etwa 5 Stunden, um 12 war ich da. Am nächsten Tag ging es abends um 17:50 vom Warschauer Hauptbahnhof zurück. Theoretisch könnte man also aber auch in den fünf Stunden zwischen den Zügen zumindest etwas von Warschau sehen. 
Übernachtet habe ich in einem Hostel für 11e/Nacht in einem Raum mit drei weiteren Mädels (Chill Out Hostel gebucht über booking.com). Insgesamt habe ich mit Essen und Museumseintritten nur 119e bezahlt, Geld hatte ich zuvor in Berlin gewechselt und mehr habe ich nicht gebraucht. 

Bei meinem nächsten Warschau-Besuch auf dem Programm: Museum der Geschichte der Polnischen Juden 

Monday, 12 October 2015

Sonntagsspaziergang am Schlachtensee und Besuch im Goodies


Bei dem wunderbaren Herbstwetter hier in Berlin lohnt es sich, einen Herbstspaziergang zu machen und die Sonne zu genießen. Genau deswegen waren eine Freundin und ich gestern am Schlachtensee. Im Sommer tummeln sich hier die Badegäste, aber auch jetzt im Herbst findet man bei gutem Wetter am Schlachtensee ein, um eine Runde Boot zu fahren, sich im Stand-up Paddling zu versuchen, Kaffee oder Essen in der Fischerhütte zu genießen oder aber einfach nur am Ufer entlangzuschlendern, sich vielleicht einen Moment hinzusetzen und zu lesen und der Natur etwas näher zu sein.

Ich vermisse hier in Berlin manchmal die finnische Natur etwas, insbesondere das Wasser, das in Tampere eigentlich allgegenwärtig ist. Deswegen war der Spaziergang entlang dem ca. 7km langen Uferweg gestern ein gutes Mittel gegen mein Heimweh. Auch viele Jogger und Radfahrer nutzen den Uferweg, weswegen man an engeren Stellen manchmal etwas aufpassen muss, aber alles in allem ist dort für jedermann Platz. 
Der Schlachtensee ist auch gut gelegen, von der Innenstadt fährt man nur ca. 20min bis zum S-Bahnhof Schlachtensee und schon ist man an dem am Rande des Grunewaldes gelegenen See und kann auch ein paar der Villen bewundern, für die der Grunewald so bekannt ist.

Im Anschluss an unseren Spaziergang gönnten wir uns einen kurzen Stopp im Goodies am S-Bahnhof. Das Goodies bietet organisches, gesundes und oft auch veganes Soulfood; Salate, Wraps, Kuchen und Kaffee. Meine Freundin aß ein Stück Blaubeer-Rohkuchen, ich einen Chiapudding mit Beeren und Maca. Dazu trank sie einen grünen Tee und ich einen "Ginger Cleanser"-smoothie, in dem Ananas, Ingwer, Birne und Spirulina waren. Superfood, anyone?

Doch das Beste an all dem ist, dass das alles auch noch super schmeckt. Auch sonst achtet das Goodies auf grüne Lebensweisen und versucht Müll und Einwegprodukte zu reduzieren, wo es nur geht. Außer am Schlachtensee findet man das Goodies in einigen Veganz-Filialen und an der Warschauer Straße.



Goodies Schlachtensee: Breisgauerstr. 2A, 14129 Berlin. 

Sunday, 27 September 2015

XpressDay bei Superfit am 20.9. in Mitte

Letzten Sonntag wurden bei Superfit in Mitte die neuen Les Mills Choreos in ihrer 30-minütigen Expressversion vorgestellt, daher der Name XpressDay. 
Ich habe mit einer Freundin daran teilgenommen, die bis dato noch nicht Mitglied bei Superfit war, weil man auch Freunde mit einem Free Class Ticket mitbringen durfte. Gleichzeitig fanden während des XpressDays auch die Dreharbeiten zu Superfit Werbespots statt, zu denen man sich einverstanden erklärte, wenn man an den Stunden teilgenommen hat. War man auch bereit, in Nahaufnahmen gezeigt zu werden, musste man noch mal extra seine Zustimmung geben. Wie genau das stattfand? 

Als wir bei Superfit ankamen, mussten wir beide eine Einverständniserklärung unterzeichnen und wurden in dem Zusammenhang danach gefragt, ob wir gefilmt werden möchten. Sagte man Nein, wie meine Freundin, dann bekam man ein orangefarbenes, bei Ja ein weißes Armband.



Danach durfte man wie gewohnt an den Stunden teilnehmen. Für Attack und mehrere weitere Programme wurde sogar die Bundestrainerin für diese Les Mills Programme mit auf die Bühne gebracht. Wie erwartet, war die Atimmung bei Body Attack an der Decke. Der Saal war extrem voll, aber das schien der Stimmung sogar zuträglich zu sein. Body Combat wurde eingeleitet von einer Spalierstellung, für deren Organisation einiges an Zeit unnötig draufging, denn das eigentliche Kamerateam war nicht vor Ort und das Publikum wirkte eher ungeduldig, das neue Programm auszuprobieren, als dass es den dramatischen Auftritt der Trainer genossen hätte. Das Programm selbst wirkte so, als wäre es im Rahmen der neuen Combat-Philosophie gehalten und wieder eine Herausforderung, selbst für erfahrene Combat-Gänger. Stellenweise brauchte ich etwas, um in die Bewegungen hineinzufinden, besonders beim Beintrack. Insgesamt freue ich mich aber schon auf die reguläre Einführung der neuen Choreo. 
Das neue Grit Plyo war etwas verwirrend, aber das sind die meisten Grit-Choreos zu Beginn. Leider hat hier nicht geholfen, dass die drei Trainer nicht immer dieselben Varianten gezeigt haben, was eigentlich dazu gedacht war, die Auswahl einer passend fordernden Variante für die Kunden zu erleichtern, aber bei einer noch unbekannten Choreo mehr Verwirrung gestiftet hat. Trotzdem haben sich die Trainer voll ins Zeug gelegt und eine effektive Stunde daraus gemacht. Meine Beine waren nach Combat und Plyo dann aber wie Spaghetti. Da kam die Flexibilitäts-Variante von Body Balance hinterher gerade richtig (mit den Beinen hätte ich keine 1-2 Warrior tracks durchgestanden. Oder einen Bauchtrack...). Hier störten dann die Kameras etwas, die einem während des Sonnengrußes und der anfänglichen Entspannungsphase ins Gesicht gedrückt wurden. Aber auch Balance war ein Release im Einklang mit den letzten. Ich war froh, dass der Tai Chi Track wieder klassisch mit etwas ruhigerer Musik ablief, da ich den Anfangstrack des letzten Releases nicht so gelungen fand. Ansonsten Übungen zum Spagat, yay. Also ich meine das durchaus ernst, da ich gerade hier mehr für meine Flexibilität tun muss. 

Alles in allem ein gelungener Tag, super Stimmung und interessante Choreos. Die nächsten drei Monate werden cool. 

Auf der Superfit-Facebookseite findet ihr auch ein Video mit Impressionen. 

Thursday, 20 August 2015

Reise- und Cafétipp: Das Scheunenviertel und Barcomi's in Berlin

Ick bin een Berliner. Sowohl geboren als auch Wahlberliner, um genau zu sein. Mit 19 bin ich zum Studium nach Greifswald gezogen und mit 22 dann nach Tampere, Finnland. Und erst nachdem ich fortgezogen bin, habe ich gemerkt, was für eine außergewöhnliche Stadt Berlin eigentlich ist und wie glücklich ich mich schätzen kann, dort aufgewachsen zu sein. Zum ersten aus praktischen Gründen: ich gehe selten in Großstädten verloren, weil ich von klein auf gewohnt bin in einer Großstadt zu navigieren. Und zum zweiten: Berlin ist einzigartig mit seiner Mischung von Geschichte, neuen Strömungen, Hoch- und Popkultur. In Berlin trifft man die Welt und die Welt trifft sich in Berlin. Der einzige Nachteil? Berlin hat so viele Facetten, dass es schnell zum sprichwörtlichen unübersichtlichen "Großstadtdschungel" verkommt und man den Wald - in diesem Fall interessante Örtlichkeiten, Museen, Kunst - vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Denn das Angebot an allem ist enorm und um eine informierte Entscheidung zu treffen, fehlt einem meist die Zeit und um einfach drauflos zu laufen und alles mitzunehmen, was einem über den Weg läuft, erst recht. Und dazu kommt das mittlerweile so bekannte FOMO-Syndrom (fear of missing out). Deswegen möchte ich euch hier eine meiner Lieblingsnachbarschaften in Berlin vorstellen, das Scheunenviertel. 

Das Scheunenviertel (das mir auch schon unter dem Pseudonym Spandauer Vorstadt verkauft wurde) liegt nördlich der Spree, direkt über dem Zentrum und Unter den Linden. Einfach zu erreichen mit der S- und U-Bahn von den Bahnhöfen Friedrichstraße, Oranienburger Straße und dem Hackeschen Markt, bildet die Oranienburger Straße ein wenig den Ausgangspunkt aller Akivitäten, die sich hier finden. Die Neue Synagoge ist eines der Wahrzeichen und bekannten Touristenziele an der Oranienburger Straße, aber was es hier zu sehen gibt, geht weit darüber hinaus. Direkt an der Ecke Friedrichstraße/Oranienburger Straße findet man das Kunsthaus Tacheles, ein ehemals staatlich gefördertes Kunstzentrum, das dieser Tage geschlossen ist, von außen aber einiges hermacht. Als ich zuletzt dort war, habe ich Menschen im Inneren gesehen, ich weiß allerdings nicht, ob das Wohnungsbesetzer sind oder rechtmäßige Anwohner (was ich aufgrund des Zustandes des Hauses bezweifle, aber wer weiß), dementsprechend habe ich nicht versucht, irgendwie ins Gebäude hineinzugelangen. 



Detailbilder der Fassade in Richtung Oranienburger Straße



 Eingang und Außenwand
Recht ironisch, wenn man die Fassade des Hauses so sieht... 
Weiter die Oranienburger Straße entlang, nahe der Synagoge ist das alte Postfuhramt, ein eindrucksvolles Gebäude, das zur Zeit leider gerade renoviert wird, weswegen ich kein Foto des Hauses habe. Dann findet sich dort direkt vor der Synagoge (wenn man aus Richtung Friedrichstraße kommt) der Eingang zu einem Hinterhof. Oder besser gesagt, einer Reihe von Hinterhöfen, nämlich die Heckmann Höfe. In dieser fast schon Oase finden sich im mittleren Hof einige Geschäfte und ein Restaurant, aber auch der Hinterhof danach lässt sich sehen mit seiner Grüngestaltung. Hier könnte man glatt vergessen, dass man sich mitten in einer Großstadt, ja, mitten in ihrem Zentrum befindet.
 Er greift nach seinen sieben Sachen und beendet seine Träume vor der dunklen Wärme seines Kaffees...Street Poetry in allen Durchgängen

 Der Hof, der an die Augustusstraße grenzt ist eine grüne Oase inmitten der Großstadt

 "Bühne ist jeder Sekunde im Leben Meinung geben" - in den Heckmann Höfen ist auch ein Theater zu finden

 Street Art.

"Sie schließt die Haustür hinter sich, schiebt die Kapuze über den Kopf und betritt den Tag" - zurück in den Großstadttrubel

Hinterhöfe sind im Übrigen eines der auffälligsten bautechnischen Merkmale Berlins, eines der berühmtesten Beispiele dürften die Hackeschen Höfe sein, die ich hier nicht weiter erwähne, die aber auch direkt im Scheunenviertel liegen und Heimathafen für viele Boutiquen und Cafés sind. Da sich zu ihnen aber in jedem Touristenführer etwas finden lässt, möchte ich mich lieber auf andere, kleinere Sehenswürdigkeiten konzentrieren. 
Etwas weiter die Straße entlang findet sich ein weiterer interessanter Innenhof, der Kunsthof, in dem ein Café und auch eine Galerie beherbergt sind. Gegenüber liegt fast direkt der Monbijou-Park mit einem kleinen Freibad für Kinder und wenn man durch ihn hindurchschlendert, findet man sich direkt an einer der unzähligen Strandbars entlang der Spree, gegenüber dem Bodemuseum wieder. 

Entscheidet man sich aber, weiter der Oranienburger Straße zu folgen, landet man an der Großen Hamburger Straße, dem jüdischen Zentrum Berlins. Hier war einst das jüdische Quartier, von dem leider nicht mehr allzuviel zu sehen ist. Der alte jüdische Friedhof ist noch immer hier, davor ein Mahnmal und die Grundrisse eines Gebäudes. Diese Grundmauern gehören zum ehemaligen jüdischen Sanatorium, das hier einst stand, und in dem die Juden zu Zeiten des Nationalsozialismus zusammengetrieben und von dort weiter in die KZ's gebracht wurden. Der jüdische Friedhof ist ein stiller Ort, den man auch heute noch besuchen kann. Was mich persönlich beeindruckt hat, war die Aussage, dass die Bombenopfer aus den letzten Tagen und Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges hier in Massengräbern bestattet wurden und dass so die Gebeine der zuvor hier bestatteten Juden und der Opfer der Bombenanschläge nicht mehr auseinanderzusortieren sind. Der Symbolismus ist offensichtlich; im Endeffekt sind wir doch alle gleich.




Heutzutage findet sich hier aber auch das Magicum - ein Museum für Zauberei - und ein netter Vintage-Shop in dieser Straße, ebenso wie weiter die Straße hinab ein Café namens "Strandbad Mitte". Auch das ist Berlin, bewegende Geschichte und alltägliches Leben und Shoppen auf wenigen Quadratmetern.

Folgen wir nach diesem Abstecher weiter der Oranienburger Straße, kommen wir an den Hackeschen Höfen an. Geht man am Eingang zu diesen, dem Starbucks und dem Café Cinema (auch ein gutes Café) vorbei, steht man auf einmal vor dem Eingang zu einem weiteren Hinterhof. Einem etwas heruntergekommeneren Hinterhof. Hier ist das Haus Schwarzenberg, auch Teil des jüdischen Erbes Berlins mit dem Museum einer jüdischen Blindenwerkstatt, der Gedenkstätte für Stille Helden während des Nationalsozialismus und dem deutschen Zweig des Anne Frank-Hauses. Allerdings ist das Haus Schwarzenberg vor allem eines: inspiriert und mit etwas mehr edge als die Hackeschen Höfe, ist es ein Paradies für Freunde von StreetArt und Graffiti. Kaum ein Zentimeter Wand, der nicht mit Graffitti bedeckt wäre, Museen und viele kleine Ateliers und Artshops, sowie ein Monsterkabinett und ein paar Cafés und Streetfood Stände, damit ist das Haus Schwarzenberg definitiv auch einen Besuch wert. 


Haus Schwarzenberg, der charmant-verruchte kleine Bruder der Hackeschen Höfe

 
 Treppenaufgang zu einem Artshop und der Eingang zum Kino/Monsterkabinett


Wenn man sich von hier wieder auf die Hauptstraße traut und einfach ein paar Meter weiter zur Sophienstraße geht, kann man bis zu den Sophie-Gips-Höfen (Nummer 21) gehen und dort im Barcomis eine der Kaffeesorten aus der hauseigenen Kaffeerösterei probieren. Auch das Essen dort kann sich definitiv sehen lassen und der Service ist manchmal sogar fast etwas überengagiert. Am Wochenende kann man hier auch frühstücken und insbesondere im Sommer ist es schön, in der Morgensonne im Innenhof zu sitzen und einen Bagel oder ein Scone zu essen. Allerdings sollte man am Wochenende definitiv im Vorraus einen Platz reservieren. 

 Damit auch kein Zweifel bleibt, wo man ist...

 Blick in den Innenraum

 Auch zum Mitnehmen findet man hier immer etwas

Und hier werden wir vom freundlichen Kellner verabschiedet :)

Kunsthaus Tacheles: Oranienburger Straße 54 (S+U Bhf Friedrichstraße)
Heckmann Höfe: Oranienburger Straße 32/Augustusstraße (S Oranienburger Straße)
Postfuhramt: Oranienburger Straße 35 (S Oranienburger Straße)
Alter Jüdischer Friedhof: Große Hamburger Straße 26-27 (S Hackescher Markt)
Haus Schwarzenberg: Rosenthaler Straße 39 (S Hackescher Markt)
Barcomis Deli: Sophienstr. 21, Sophie-Gips-Höfe

Tuesday, 11 August 2015

Fundstück Body Love: magere Kunst?

Auf der Seite takepart.com hat die US-Fotoredakteurin Lauren Wade weltbekannte Bilder veröffentlicht. Das an sich hat ja noch keinen Nachrichtenwert. Was allerdings eine Nachricht wert ist, ist dass sie die Bilder mit Photoshop bearbeitet hat, damit die dargestellten Frauen (wie z.B. die Venus aus dem bekannten Bild "Geburt der Venus") dem heutigen Schönheitsideal entsprechen. Das Urteil darüber, in welcher Version sie besser aussehen, bleibt jedem selbst überlassen. Ich finde allerdings so oder so bemerkenswert, wie man daran sieht, was sich mit Photoshop alles machen kann. Da fühlt man sich als Durchschnittsfrau, die weder dick noch dünn ist gleich viel besser. Wenn man Bilder von mir so behandeln würde, könnte man aus mir auch einen Victoria's Secret Angel machen. 

Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus, 1486. Bildnachweis: takepart.com

Schaut euch einfach die Bilder im Artikel "What if famous paintings were photoshopped to look like fashion models?" an und freut euch, dass selbst hinter natürlich wirkenden Bildern von Prominenten oft einige Arbeitsstunden mit Photoshop drin stecken. 

Tuesday, 4 August 2015

Wenn du sie nicht besiegen kannst, schließ dich ihnen an. Die Birkenstock-Sandale

Meine Jugend beginnt mich wieder einzuholen. Geboren in den 80ern habe ich weite Teile meiner Modevergehen in den 90er Jahren begehen dürfen, wo sie in mitten der sonst so irren Mode kaum auffielen. Doch jetzt beginnen mich die 90er mehr und mehr wieder einzuholen. Ich wusste ja, dass es in der Mode heißt, alles kommt wieder, doch ich hatte lange gehofft, dass diese traumatische Zeit, in die unter anderem die Hochzeit der Love-Parade hhier in Berlin fiel, dabei außen vor bliebe. Doch ich lag falsch. Oh, wie falsch ich damit lag. 

Die 90er sind wieder da und das mit Verstärkung. Denn sie bringen ein weiteres Kindheitstrauma meinerseits mit sich: die Birkenstock-Sandale (bitte stellt euch an dieser Stelle dramatische Musik a la "Der Weiße Hai" oder "Psycho" vor). Birkenstocks waren in meiner Kindheit der Lieblingsschuh meiner Mutter, denn "die haben ein Fußbett", und das war ihrer Meinung nach gut für meine wachsenden Füße. Also hatte ich Birkenstock-Sandalen als Hausschuhe und Birkenstock-Sandaletten als Sommersandalen und den Spott meiner Mitschüler sicher. 

Irgendwann verschwanden die Birkenstocks aus den meisten Regalen der Schuhgeschäfte und wurden zu Schuhen für Arzthelfer/innen und andere Gewerbe, die viel auf den Füßen unterwegs sind. Und dann der Super-Gau: Heidi Klum designte eine Kollektion (oder mehrere) für Birkenstock. Ich war geschockt. Vor allem über den Preis. Nur weil ein Supermodel da Strasssteinchen draufklebt soll man also fast 100e für die Schuhe hinblättern? Entsetzen war gar kein Ausdruck. Danach wurde es - in meiner Welt - still um die Birkenstock-Sandale. Ich verlor sie aus den Augen. Vielleicht verdrängte ich sie auch aktiv. So genau weiß ich das nicht.

Und dann tauchten sie mit einem Mal in der Hipster-Szene wieder auf. Die unsterbliche Birkenstock-Sandale eroberte aus der Hipster-Szene heraus die Modewelt und diesmal viel umfassender als je zuvor, da es sie heute in etlichen Formen und Farben gibt. Als ich das erste Mal eine Birkenstock-Sandale in der InStyle sah, hielt ich es für einen Scherz. Oder vielleicht hat das Model versehentlich seine Schuhe anbehalten und niemand hat das auf dem Photoshoot gemerkt (die Hoffnung stirbt zuletzt). Doch mit einem Mal zogen sich die Jesuslatschen, die Hippietreter durch die Modezeitschriften und -blogs. Ich versuchte sie zu ignorieren, was aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit unmöglich war. Dann wurde ich wütend und versteckte in Schuhgeschäften ab und zu die Ausstellstücke. Dann versuchte ich mit den Modegöttern zu handeln, dass ich selbst Batikshirts tragen würde, wenn sie denn nur den Birkenstocktrend so schnell irgendst möglich eingehen ließen. Es folgte die Depression, als ich merkte, dass nun sowohl Birkenstocks als auch Batikshirts mehr und mehr in den Läden auftauchten. Und dann heute: Akzeptanz. Die Fünf Phasen meines Birkenstocktraumas.

Guten Tag, mein Name ist Kitty und ich trage Birkenstocks

Zur Feier der finalen Phase habe ich mir mein eigenes Paar besorgt, das - zugegeben - so weit vom Original entfernt ist wie möglich ohne den Anschluss an den Trend zu verlieren. Und was soll ich sagen, das Fußbett ist wirklich gut für meine angestrengten Füße... 

Friday, 24 July 2015

Dance your ass off - wortwörtlich

Vorne weg, ich bin keine große Tänzerin. Mit drei wollte ich reiten lernen und nicht Ballett und als es um die Wahl eines sportlichen Hobbys ging, gewann der Kampfsport haushoch gegen Hip Hop Tanzstunden. Mit Salsa, Walzer und klassischem Tanz ist bei mir im Übrigen gar nichts zu holen. 

Worüber ich aber eigentlich schreiben möchte, ist dass Tanzen eine großartige Möglichkeit ist, sich fit zu halten, seine Koordination, Körperkontrolle und Balance zu entwickeln und auch um abzunehmen. Das Phänomen Zumba kam nicht von ungefähr. Zuerst einmal ist Tanzen ungeheuer praktisch, da man keinerlei Geräte oder Zubehör braucht. Man kann überall tanzen, wo man ein genug Platz hat sich zu bewegen und prinzipiell kann jeder tanzen. Gut, ich bin ein gutes Beispiel, dass nicht jeder gut oder grazil tanzen kann, aber jeder kann tanzen. Aber gibt so ungeheuer viele Variationen des Themas Tanz, dass mit Sicherheit jeder etwas findet, das ihm gefällt. Ob das nun Schuhplattler oder Ballett, Hip Hop oder Tango ist. 

Julianne Hough sagte in ihrem Women's Health Interview (US WH June 2015): "Die Art auf die man sich bewegt, hat eine direkte Wirkung darauf, wie man sich fühlt. Ich liebe meinen Körper am meisten, wenn ich tanze. Beim Tanzen muss man im Augenblick sein. Das ist dieselbe Art von Meditation wie beim Yoga. Nur fröhlicher."

Julianne Hough in Footloose. Beweis genug, dass man sich mit Tanzen fit halten kann. 

Ich selbst bringe wie schon gesagt nicht so viel Erfahrung im Bereich des Showtanzes und klassischen Tanzes mit, sondern habe mich stets mehr auf der Fitness-Seite des Tanzens bewegt, weswegen ich mich in diesem Post auch darauf konzentrieren werde. 

Angefangen hat alles mit Body Jam, einem Les Mills Tanzworkout, das ich lange Zeit nur von außen bewundert habe, bis ich mich entschloss, es selbst auszuprobieren. Body Jam ist für Einsteiger super geeignet, da die Choreographien verhältnismäßig einfach sind und mehr auf Spaß und Bewegung als auf perfekte Ausführung geachtet wird. Ich glaube - auch wenn ich es nicht mit letzter Sicherheit sagen kann, da ich mich selbst immer gegen eine Teilnahme geweigert habe - dass Zumba dieselben Vorteile hat. Body Jam hingegen hat noch einen weiteren Bonus: und zwar gibt es zwei oder drei Hauptchoreographien, die sich über mehrere Songs erstrecken und einem bestimmten Genre zugehörig sind. Im aktuellen Release sind das House, Funk und Jam, aus denen der Instructor dann je nachdem was ihm oder dem Kurs gefällt, zwei heraussuchen kann. Das Gute daran? Man kann ein Gefühl für den jeweiligen Musik- und Tanzstil entwickeln und sagen, ob die einem liegen. So konnte ich z.B. für mich alles lateinamerikanische ausschließen, weil meine Hüfte und mein Hintern nicht locker genug sind. Ich bin etwas zu steif für wildes Hüftschwingen. Dafür habe ich gemerkt, dass ich mit Hip Hop recht gut klar komme und das auch recht gern tanze. So kann man, wenn man feststellt, dass man gern mehr in dieser Richtung machen würde, gleich sagen in welche Richtung man gerne gehen würde. 



Heutzutage hat Les Mills auch noch ein zweites Tanzprogramm, Sh'Bam, das noch einfacher ist als Body Jam, weil die Choreographien bzw. Schrittfolgen schnell zu erlernen sind. Schon am Ende der Stunde (die nur 45min. dauert) hat man ein paar neue Tanzschritte für den nächsten Clubabend gelernt. 

Weil eine Freundin von mir damit angefangen hat und ich es eh schon lange ausprobieren wollte, habe ich im Sommer 2013 auch mit PoleDancing angefangen. PoleDancing klingt zwar verrucht, ist aber in der Basisvariante viel mehr eine technisches und schweißtreibende Angelegenheit als man zuerst denken würde. Die Grundlagen hat man in drei oder vier Stunden gelernt, aber dann kommen die Tricks und Kniffe, Invertpositionen (kopfüber von der Stange hängen) und Hebefiguren (wenn man das auf Deutsch so nennen kann), Drehungen, etc. Der Fitnessfaktor ist größer als man denken würde; nach meiner ersten Polestunde war ich komplett durchgeschwitzt und meine Arme haben gezittert. Schon nach wenigen Stunden merkt man, wie die Armmuskulatur stärker wird und auch Bauch- und Rückenmuskulatur sich entwickeln. Außerdem macht PoleDancing wirklich Spaß, weil man immer wieder kleinere Erfolgserlebnisse hat, wenn man eine neue Figur meistert. Der einzige Nachteil dabei ist, dass die Hände schnell Schwielen entwickeln (auf der anderen Seite gut, dann tut es nicht mehr so weh) und dass man oft mit blauen Flecken auf den Innenschenkeln und den Schienbeinen nach Hause trabt. Aber auch an die blauen Flecken gewöhnt sich der Körper und irgendwann bekommt man diese nicht mehr ganz so schnell. 

Dann habe ich auch noch einen Hip Hop-Kurs besucht, wo wir Stunde für Stunde an einer Choreo gearbeitet haben und jede Stunde etwas Neues addiert haben. Das Ganze war zwar an sich sehr unterhaltsam und auch fitnesstechnisch effektiv, aber der Kurs hat regelmäßige Teilnahme erfordert, die ich zu dem Zeitpunkt leider nicht garantieren konnte. Sollte ein regelmäßiger Trainingsplan kein Problem darstellen, kann man hier extrem viel lernen und auch irgendwann ganze Choreos vor Publikum vorführen, wenn man das denn möchte. 

Die letzte Form von Tanz, im weitesten Sinne, die ich gemacht habe, war Cheerleading. Genau wie PoleDancing hat jeder gleich ein Bild im Kopf, kurze Röcke und aufgeregt herumhüpfende Mädels. Die Realität sieht anders aus: unsere Truppe hat 3-4 Mal die Woche 1,5 Stunden lang trainiert. Cheerleading ist, im Gegensatz zu allen Vorurteilen, ein Sport. Man hebt und wirft, fängt und trägt seine Teamkollegen, man baut Pyramiden und springt aus dem Stand in bestimmte Figuren. All das muss geübt werden. Auch die Verletzungsgefahr ist hier hoch, denn wenn ein Pointer oder jemand in der Bodenmannschaft schläft, kann es schon mal sein, dass ein Flyer ( das Mädchen, das in die Luft geworfen wird, dort Figuren macht etc.) auf dem Boden oder gar jemand anderem im Nacken landet. Beim Cheerleading kann es zu tödlichen Verletzungen kommen, wenn jemand schlampt, und deswegen ist es wichtig, dass das Team von Anfang an lernt, zusammen zu arbeiten und auf Sicherheit zu achten. Neue Stunts werden nie ohne Spotter einstudiert. 
Vorteile beim Cheerleading sind Akrobatikelemente, die man sonst nicht unbedingt lernt, Beweglichkeit, Fitness und auch Muskelaufbau, denn ein gutes Cheerteam hat Ausdauer und braucht Kraft für die Stunts und auch die Sprünge. Einige der härtesten Muskelaufbauübungen habe ich beim Cheerleading machen müssen.

Cheerleading. Hinter jeder Pyramide stecken Stunden an Training. 

Wenn man sich also fit halten möchte, das Ganze aber eher auf unterhaltsame Art und Weise, dann ist Tanzen genau das Richtige. Ich habe in diesem Post meine Erfahrungen absichtlich von Spaß zu Sport geordnet, aber jeder findet mit Sicherheit eine Nische in der er (oder sie) sich wohlfühlt und Spaß hat, wenn man sich nur genug umsieht. Also, Musik an, tanzen, happy sein. 

Tuesday, 14 July 2015

Weniger ist mehr

Ich befinde mich gerade mitten in meinem Umzug nach Berlin. Nun ziehe ich aber nicht aus irgendeiner deutschen Stadt nach Berlin, nein, nicht mal aus einer mitteleuropäischen, sondern aus Tampere. Finnland. Das bedeutet, dass es für mich schier unbezahlbar ist, einfach all mein Hab und Gut in einen Sprinter zu packen und umzuziehen. Auch einer dieser praktischen Umzugscontainer, von denen in all diesen  Auswandererdokus immer die Rede ist, kommt für mich nicht in Frage. 

Umziehen an sich ist unangenehm, eben gerade weil man feststellen muss, wie viel Kram man eben über die letzten Jahre - oder in schlimmen Fällen Jahrzehnte - angesammelt hat. Ich bin seinerzeit, das heißt vor sieben Jahren, mit einem Koffer hier in Tampere eingetroffen. Ein Paket habe ich mir per Post hinterhergeschickt und immer wenn ich in Deutschland war, habe ich die wichtigsten Dinge, die ich vermisst habe, mitgenommen. Letztes Jahr bin ich schon von einer 52m² Wohnung in ein 10m² Zimmer gezogen, man kann sich also vorstellen, dass einiges an Kram schon damals auszusondern war. Aber jetzt sitze ich hier und frage mich immer noch, wo all das Zeug eigentlich herkommt. 
Das Gute daran? Ich kann alles aussondern, was ich nicht wirklich liebe. Und werde eine ganze Menge "Kram", nutzlosen Ramsch, los. Denn wir halten an vielem fest, was wir vielleicht irgendwann noch einmal brauchen könnten. An den Jeans in die wir seit Jahren nicht mehr reinpassen (in meinem Fall, weil sie zwei Kleidergrößen zu groß sind), an Stücken, die man uns geschenkt hat, an Dingen, die irgendwann noch mal nützlich sein könnten. 

Damit ist bei mir jetzt Schluss. Ich habe mich im Verlauf der letzten Wochen von etlichen Büchern und DVDs getrennt, ich habe Klamotten ausgesondert, ich habe Papierkram durchsortiert und alles Überflüssige weggeworfen. Und das ist exakt das, was die Autorin Marie Kondo vorschlägt: Bevor man überhaupt mit dem Wegwerfen beginnt, sollte man erst einmal sortieren. Außerdem ist es auch überwältigend und lähmend, wenn man sich mit einem riesigen Haufen diverser Dinge konfrontiert sieht. Stattdessen beginnt man den Prozess des Aussonderns am Besten mit Sortieren. Man sortiert seine Habseligkeiten in Kategorien:  Bücher, Kleidung, Papierkram, Diverses, Dinge mit emotionalem Wert. In dieser Reihenfolge, da diese sich als die Effektivste herausgestellt hat. Dabei geht es auch nicht um den Ort bzw. Raum, wo sich die Dinge befinden, sondern man geht nach eben diesen Kategorien vor. 
Die meisten meiner Uniunerlagen fanden ihren Weg ins Altpapier, ebenso Rechnungen und Zahlungsbelege von Versicherungen oder Verträgen, die ich schon lange gekündigt habe, auch alte Kontoauszüge habe ich ausgesondert.
Als nächstes folgten die Bücher. Für mich ehrlich gesagt eine der schwersten Kategorien. Viele habe ich in ein Antiquariat gebracht, ein paar der örtlichen Bibliothek gespendet. Einige Lehrbücher habe ich an Freunde weitergegeben, denn Unibücher können teuer sein.
Die Kategorie Kleidung erschien mir zu Beginn einfacher als sie dann im Endeffekt war, da ich dachte, ich könne nach dem Winter schon einmal alle Winterklamotten aussondern. Dem war allerdings nicht so, denn dieser Sommer in Finnland lässt einen definitiv darüber nachdenken, ob man Schal und Handschuhe nicht doch lieber noch in Reichweite behält. Letztendlich habe ich aber auch hier einiges an das Rote Kreuz und in die Altkleidersammlung gegeben. In Deutschland gibt es auch noch Humana, die gebrauchte aber noch tragbare Kleidung weiterverkauft. Außerdem habe ich einen Tisch auf einem Trödelmarkt gemietet und so ein wenig Geld mit meinen Markenklamotten gemacht.
"Diverses" umfasste bei mir größtenteils DVDs und Kosmetika. Auch hier gingen die DVDs an ein Antiquariat. Die Kosmetika hingegen musste ich wegwerfen, denn Kosmetika gehören zu den Dingen, die durch Hautkontakt etc. Keime und Bakterien weiterverbreiten (Weswegen man sich auch niemals den Mascara einer Freundin leihen sollte. Dies nur als Bemerkung am Rande). Küchenutensilien behalte ich nicht, da ich in Berlin zuerst zu meinem Vater ziehe, der eine voll ausgestattete Küche hat und dementsprechend eher weniger glücklich wäre, wenn ich mehr Töpfe und Schüsseln versuche in die Schränke zu origamien. Denn die sind größtenteils voll. Meine Lieblingstassen werde ich mitnehmen. Aber die zählen auch zu emotionalen Habseligkeiten. 
Diese waren an sich etwas schwerer wegzuwerfen. Manches, wie z.B. mein erstes Parfum, hatte mich schon lange begleitet, manches war ein Geschenk von meiner verstorbenen Großmutter. Aber ich brauche keine kaputte Kette, um mich an sie zu erinnern, und wenn mein erstes Parfum aufgrund seines Alters von fast 20 Jahren einfach nicht mehr so riecht wie zu Beginn, dann ergibt es keinen Sinn, diese Dinge aufzuheben. Oder? 
Und so sitze ich hier jetzt in einem sehr viel leereren Zimmer und muss mir nur noch über ein paar Dinge Gedanken machen. Zum Beispiel die Bücher, die ich noch nicht gelesen habe. Oder die ich nicht bereit war, auszusondern. Bis jetzt. Denn langsam wird die Zeit knapp. Dieses Wochenende habe ich begonnen, meinen Koffer für den ersten Teil meines Umzugs zu packen und festgestellt, dass das so nichts wird. Also geht es in eine neue Runde Aussortieren. 

Kondo empfiehlt, sich ein Ziel zu setzen, weswegen man sein Leben entrümpeln möchte. In meinem Fall ist das klar, ich habe einen Umzug bevorstehen. Doch wenn du dich daran machst auszusortieren, solltest du vorher wissen warum du das tust, um nicht irgendwann mittendrin abzubrechen. Es gibt medizinische Untersuchungen, die nachweisen, dass zuviel Gerümpel oder unnützes Zeug physisch Stress verursacht, insbesondere bei Frauen. Dabei bedeutet Gerümpel eine Masse an Besitztümern, die am falschen Ort herumfliegen und keine Ordnung haben. So kommt es auch, dass Stress Gerümpel verursacht, weil man keine Zeit dazu hat Dinge ordentlich zu verstauen. Ein weiterer Grund hierfür ist aber auch einfach die schiere Masse an Habseligkeiten, die wir heutzutage hamstern. Wir haben zu viel von allem. 
Und das ist ein weiterer Grund zu entrümpeln; wenn wir nur die Dinge behalten, die wir wirklich lieben, können wir uns mehr an ihnen erfreuen. Wir wissen, dass wir von Sachen umgeben sind, die wir mögen, nicht solchen, die wir in einem Anflug von "Das könnte ich vielleicht gebrauchen" gekauft oder nicht ausgesondert haben, als es Zeit dafür war. Warum sammeln wir alte Plastiktüten oder werfen Dinge, die kaputt gegangen sind nicht weg? Warum behalten wir das alte Handy oder den alten MP3-Player, obwohl wir uns einen neuen gekauft haben? 
Weniger ist eben doch mehr. Wenn wir alles aussondern, was wir nicht brauchen und an dem wir nicht hängen, sehen wir auch die Dinge, die uns am Herzen liegen, was wiederrum zu einem wohligen Gefühl von zuhause führen kann. Ich freue mich schon darauf, wenn ich die Dinge, die mir wirklich wichtig sind, in Berlin wieder auspacken kann. Aber lieber packe ich nur zwei Koffer aus als vier oder fünf, die mich auch noch zusätzlich Geld und Nerven kosten würden, wenn ich sie transportieren und aufgeben müsste.

Buchempfehlung: Marie Kondo: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. rororo Verlag.