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Monday, 26 October 2015

Kurztrip nach Warschau

Ich mochte Amsterdam, aber Warschau hat mich absolut begeistert. 
Wo es in Amsterdam nach Cannabis und süßen Waffeln riecht, stinkt es in Warschau nach Abgasen und Urin. Wo Amsterdam piktoresk und schön ist, ist Warschau edgy und von Gegensätzen gezeichnet. In Amsterdam habe ich Prostituierte hinter Glastüren gesehen, in Warschau wurde ich in einem dreckigen Hinterhof von einer heruntergelebten Hure angesprochen, die ihre besten Jahre lange hinter sich hatte. Ich mochte beide Städte, aber jede auf ihre eigene Art.

Palast der Kultur und Technik und Skyscarper Zlota 55.

An Warschau hatte ich keinerlei Erwartungen, denn ich hatte zwar viel über den Wandel der Stadt von einer osteuropäischen Stadt in Ruinen zu einer trendigen und hippen Metropole gehört, aber Reiseführer sagen ja viel, wenn der Tag lang ist und so dachte ich, ich sehe einfach mal, was auf mich zukommt. Dementsprechend überrascht war ich, als ich zuerst einmal einem Wolkenkratzer gegenüber stand, der mich entfernt an das Empire State Building erinnerte. Ein Geschenk von Stalin, mit dem bescheidenen Namen "Palast der Kultur und Technik". Warschau ist eine Stadt der Widersprüche: historische Gebäude neben Wolkenkratzern, Huren neben russischen Milliardärstouristen, der Gestank von Urin und der Geruch von Chanel No. 5. Warschau ist schön, edgy, dreckig, verfallen, gepflegt und das alles innerhalb von wenigen Hausnummern. Nicht überall, aber vielerorts reihen sich glänzend neue Stahlglas-Fassaden nahtlos ein in Häuserzüge geprägt von abrissreifen Häusern, deren Fenster vernagelt oder zugemauert sind. Auch der Palast der Kultur und Technik ist umgeben von abrissreifen Häusern und atemberaubenden Wolkenkratzern. Warschau ist nicht hübsch, aber sehr reizvoll und interessant. Und überall findet man Spuren seiner bewegten, blutigen und dunklen Geschichte, egal wie sehr sich die Stadt bemüht, diese wegzurenovieren, wo sie nicht erwünscht sind. In der Straße Prozna stand bis vor Kurzem der letze erhaltene Straßenzug aus den Zeiten des Warschauer Ghettos, komplett mit Einschußlöchern in den Hauswänden. Diese wurden und werden jetzt restauriert. Man möchte nicht, dass die Anwohner sich von den Geistern der ermordeten Juden verfolgt fühlen.

Erinnerungen an eine dunklere Vergangenheit, wo einst das Ghetto war. An einem Fenster stand: "My Family Roots"

Man möchte an sich gerne Anwohner anlocken. An anderen Stellen wird jedoch mit Pathos und Stolz an die Helden des Ghetto-Aufstandes 1943 und des Warschauer Aufstandes 1944 erinnert. Beide Aufstände hatten die Nationalsozialisten zum Gegner und beide waren gekennzeichnet von einer starken Unterlegenheit der Einwohner gegenüber den Besatzern. Der Ghetto-Aufstand dauerte trotz der schlechten Bewaffnung der Einwohner und deren Hungerleiden und sonstigen Krankheiten 28, der Warschauer Aufstand 63 Tage. Beide Aufstände zeugen von der Wehrhaftigkeit der Warschauer und von ihrem Willen für ihre Stadt zu kämpfen, beide wurden blutig niedergeschlagen, erst das Ghetto und dann die Stadt weitgehend zerstört. Ein weiterer Grund dafür, dass vom Ghetto nur noch wenig erhalten ist. Das einzige was man noch sehen kann, sind die besagten Häuser in der Ulica Prozna, der letzte Rest der Ghetto-Mauer, der in einem Hinterhof die Wohnhäuser Ulica Sienna 55 und 57 voneinander trennt, sowie in die Gehwege eingelassene Markierungen an einigen markanten Stellen entlang derer sich die Ghettomauer zog. Doch der Geist des Ghettos ist noch überall in der Gegend zu finden. Und das ganz fassbar. Man muss sich nur umsehen und stellt fest, dass die Häuser in der Gegend des Ghettos stellenweise etwas höher stehen als die im Rest der Stadt, dass die Straßen nicht ganz eben sondern etwas hügelig sind. Das liegt daran, dass es während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg zu teuer gewesen wäre, ein so großflächiges Gebiet zu räumen und so baute man einfach auf den Ruinen des Ghettos das neue Warschau. 

 Der letzte Rest der Ghettomauer in einem Hinterhof

Erinnerung an den Verlauf der Ghettomauer

Für die Altstadt hingegen fand sich Geld. Vom Staat, aber auch von Sponsoren. So historisch die Altstadt aussieht, so faszinierend der Königspalast ist, der sich bis weit in die Geschichte zurückdatieren lässt, so sehr trügt der Eindruck. Denn die gesamte Warschauer Altstadt ist im Krieg bzw. in den Tagen in denen die Nazis die Stadt verließen, zerstört worden. Um dann mühevoll und auf Grundlage alter Fotografien und Gemälde des Malers Canaletto. Insbesondere der Königspalast verdankt seinen detailgetreuen Wiederaufbau dem italienischen Maler. 
Ich möchte hier keinen Reiseführer zusammenstellen, denn die findet man überall, vielmehr möchte ich sagen, was mir an Warschau besonders gut gefallen hat: 

1. Die neue Mitte rund um den Palast der Kultur und Technik
Besonders ein Besuch der Aussichtsterasse im 30. Stock lohnt sich, aber auch sonst finden sich hier alle wichtigen Geschäfte in der Nähe, ob man nun in das Shoppingcenter Zlote Tarasy geht oder sich in den Metropassagen unterhalb des Platzes verirrt. In den Zlote Tarasy gibt es ein Restaurant, das auch polnische Spezialitäten anbietet. In Buffetform. Das bedeutet, man nimmt sich, was man probieren möchte, und zahlt dann nach Gewicht des zusammengestellten Tellers. 

2. Das Museum des Warschauer Aufstandes
Hier erinnert man mit Stolz an den Aufstand der Warschauer im Angesicht eines übermächtigen und brutalen Gegners. Allerdings muss man diese Ausstellung mit Vorsicht genießen, denn bisweilen sind die Videos aus der Zeit extrem brutal, einige sind verstörend. Als Deutsche habe ich mich hinterher schwergetan, ein Gefühl des Fremdschämens abzuschütteln. Allerdings hatte das nicht nur mit meiner Herkunft zu tun. Sicherlich hat man viele der Greueltaten erzählt bekommen, man hat über und von ihnen gehört, aber ein Zeuge zu sein, wie diese Grausamkeit eine komplette Stadt verändert und einen Großteil ihrer Bewohner das Leben gekostet hat, das ist etwas anderes. Konkrete Folgen des Terrors zu sehen, macht das alles greifbarer, insbesondere in einer Stadt, die so sehr darunter zu leiden hatte wie Warschau. Das Gefühl, das sich jedoch am vordergründigsten einstellte, war die Frage: "Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun oder dabei zusehen, wie diese Dinge getan werden? Wie haben die Beteiligten damals ihre Taten gerechtfertigt?" Und das wiederum ist im Sinne des Museums. Man gedenkt derer, die sich mutig dem Terror entgegenstellten und für ein freies Polen kämpften, die für ihre Heimat kämpften, und gleichzeitig zeigt man, dass etwas so Grausames sich nie wieder ereignen darf. 

Denkmal der Helden des Warschauer Aufstandes

3. Palast und Garten Lazienkowski
Hier habe ich mich mit einem Mal in einem chinesischen Pavillon neben Tai Chi-Sportlern wiedergefunden und durfte dann den Palast auf dem Wasser und die reproduzierten Ruinen des Forum Romanum bewundern. Gerade für Spaziergänge sehr geeignet und etwas zu sehen gibt es alle naselang.

Der chinesische Garten

4. Die Altstadt
Mit all ihren gewundenen Gassen, der Syrenka, dem Wahrzeichen Warschaus und den Kamienne Schodki, den Steintreppen. Fast könnte man vergessen, dass all das wiederaufgebaut wurde und nicht hunderte von Jahren alt ist.

 
In der Altstadt: The Little Insurgent-Denkmal vor der Stadtmauer, Kamienne Schodki

Nach Warschau gekommen bin ich sehr günstig mit der Deutschen Bahn; von Berlin aus habe ich pro Richtung gerade einmal 29e bezahlt. Die Fahrzeiten waren dafür ebenfalls optimal, ich bin morgens um 6:40 in Gesundbrunnen abgefahren und dann über Lichtenberg und Frankfurt/Oder nach Warschau gefahren. Die Fahrt dauerte etwa 5 Stunden, um 12 war ich da. Am nächsten Tag ging es abends um 17:50 vom Warschauer Hauptbahnhof zurück. Theoretisch könnte man also aber auch in den fünf Stunden zwischen den Zügen zumindest etwas von Warschau sehen. 
Übernachtet habe ich in einem Hostel für 11e/Nacht in einem Raum mit drei weiteren Mädels (Chill Out Hostel gebucht über booking.com). Insgesamt habe ich mit Essen und Museumseintritten nur 119e bezahlt, Geld hatte ich zuvor in Berlin gewechselt und mehr habe ich nicht gebraucht. 

Bei meinem nächsten Warschau-Besuch auf dem Programm: Museum der Geschichte der Polnischen Juden 

Friday, 7 August 2015

Bewerbungsgespräche - simple Do's und "Don't ever do it"'s

Ich bin in den letzten Tagen durch einige Bewerbungsgespräche gegangen und eines davon war ein Gruppenauswahlverfahren bei einer etwas bekannteren Firma. Dabei durfte ich einmal live und in Farbe miterleben, wie sich andere Personen bei Bewerbungsgesprächen verhalten und dabei habe ich festgestellt, dass man sich bei einem Bewerbungsgespräch so richtig in die Nesseln setzen kann. 

Don't:
Negativität. Niemand mag Leute, wenn sie die Stimmung runterziehen. Damit meine ich nicht das neutrale Erwähnen eines negativen Punktes, sondern vielmehr eine generell negative Einstellung dem Arbeitsleben oder Leben an sich gegenüber. Sicher scheint nicht jedem an jedem gegebenen Tag die Sonne aus dem Hintern, aber bei einem Bewerbungsgespräch sollte man auch schlechte Laune oder vorherige schlechte Erfahrungen nicht raushängen lassen. 

Do:
Enthusiasmus. Lass den Arbeitgeber wissen, dass du wirklich an der Stelle interessiert bist (im Rahmen des Glaubwürdigen). Erwähne positive Erfahrungen mit der Firma oder in Verbindung mit der Firma. Übertreib es aber auch nicht mit dem Lob, niemand glaubt dir, dass du dich für eine Kaisers-Kassenstelle geboren fühlst. 

Don't:
Negative Kommentare über den bisherigen Arbeitgeber. Auch hier eine Unterscheidung, sollten schlechte Erfahrungen Grund für die anderweitige berufliche Orientierung sein, kann man diese neutral darstellen, ohne aber dabei die Integrität des vorigen Arbeitgebers zu untergraben. Niemand stellt jemanden ein, wenn der Verdacht besteht, dass der neue Mitarbeiter einem bei der ersten Gelegenheit vor der Konkurrenz ans Bein pinkelt (metaphorisch gesehen). 

Do: 
Sich kurz fassen. Gerade in einem Gruppengespräch findet es niemand gut, wenn du beginnend mit deiner Geburt deine Lebensgeschichte und Arbeitshistorie erzählst. Trotzdem solltest du darauf achten, genug von dir zu erzählen, um dich erinnernswert zu machen. Also lieber eine kurze Anekdote als eine play-by-play Darstellung deines Lebensweges.

Don't: 
Mögliche Problematiken wie ein eigenes Geschäft als Selbstständiger auf der Seite solltest du nicht direkt im Bewerbungsgespräch ansprechen, wenn du selbst noch keine passende Lösung im Kopf hast, wie du beides vereinen könntest. Überhaupt, was machst du bei einem Bewerbungsgespräch, wenn das eigentlich eh nicht das ist, was du machen willst?

Do: 
Mögliche Problematiken wie z.B. Studium oder eigenes Unternehmen auf der Seite erwähnen, um den Arbeitgeber vorzuwarnen, dass du an bestimmten Tagen oder zu einer bestimmten Tageszeit nicht arbeiten kannst.

Don't:
Raushängen lassen, dass man sich nur beworben hat, weil man halt irgendeinen Job braucht, um die Miete zu bezahlen, die Arbeit selbst einen aber nicht weniger interessieren könnte. 

Do:
Sich über die Arbeit und Firma im Voraus informieren und sich selbst für den Job begeistern. Auch das wieder im Rahmen der Möglichkeiten und nicht übertreiben. Putzen bleibt Putzen, selbst wenn man sich selbst die Grundlagen der Putzmittelchemie für das Bewerbungsgespräch anliest. 

Ansonsten sei du selbst, denn wenn die Firma dich als jemand anders einstellt, gibt das sowohl für die Firma, als auch für dich ein böses Erwachen. Das Vorstellungsgespräch ist schließlich keine Einbahnstraße, nicht nur die Firma soll sehen, ob du zu ihnen passt, sondern auch du sollst sehen, ob dir die Firma zusagt. Wenn du schon ein Gefühl hast, dass das nicht deins ist, dann tu auch nicht so, als wäre es dein größter Traum. Das wäre dem Personalmitarbeiter und deinen Träumen gegenüber ungerecht. 

Tuesday, 21 July 2015

Warum gesund essen genug essen heißt

Und das gilt auch, wenn man abnehmen möchte. Genauer genommen besonders dann muss man auch genug essen.

Warum?
Zuerst einmal ist es eine Frage der Selbstbeherrschung. Während man zum Frühstück und Mittagessen noch super mit einer Karotte und einem Apfel auskommt, rächt sich das spätestens beim Abendessen, wenn man müde ist. Denn je müder man ist, desto geringer ist die Selbstbeherrschung und - schwupps - hat man zum Abendessen nicht nur die gesammte negative Kalorienbalance verdrückt, sondern sogar noch mehr, weil die Schokoladenkekse so lecker aussahen und man hat ja den ganzen Tag nichts gegessen. Ich gebe zu, das ist eine überspitzte Darstellung, aber das Prinzip ist gültig. Manche halten ein enormes Kaloriendefizit länger aus, aber wenn dann der Cheatday oder Schlemmtag vor der Tür steht, dann wird das gesamte Defizit zunichte gemacht. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern völlig normal. Der Körper möchte nicht abnehmen und seine Polster für schlechte Tage aufbrauchen, wenn er nicht unbedingt muss.

Zum zweiten ist es eine Frage des Metabolismus. Der Metabolismus ist das, was man in Gang bekommen muss, wenn man abnehmen möchte, der Kalorienverbrauch des Körpers. Hierbei gibt es eine metabolische Basisrate, bei Frauen oft ca. 1400-1600kcal/Tag und bei Männern 1800-2000kcal/Tag. Das ist der Körper im Ruhezustand, also wenn man den ganzen Tag nur herumliegen würde. Die Kalorien werden verbraucht für Verdauung, Instandsetzung und -haltung des Körpers und so weiter. Jedwede physische Aktivität erhöht den Kalorienverbrauch für den Tag, indem sie den Metabolismus antreibt, der Energiehaushalt also schneller arbeitet und dabei mehr Kalorien verbraucht. Zumal auch die Aktivität selbst Kalorien als Treibstoff benötigt. Nun kann unser Metabolismus aber in Krisenzeiten, also in Zeiten zu denen Nahrung knapp ist - sprich eine Hungersnot oder eben Diät - auch verlangsamen, um den Energieverbrauch des Körpers an die geringere Energiezufuhr zu gewöhnen. Wenn wir also längerfristig zu wenig essen, passt sich unser Metabolismus an und wir verbrauchen auch weniger Energie. Man erreicht ein Plateau beim Abnehmen und isst dementsprechend noch weniger, was zu einem weiteren Verlangsamen führt und entweder landen wir in einem Teufelskreis oder aber, wenn wir wieder normal essen, kommen die Pfunde mit Freunden zurück, weil wir jetzt weniger Energie verbrauchen als zu Beginn.
Normalerweise, wenn man eine gesunde Ernährungsweise verfolgt und damit versucht abzunehmen, sollte man also darauf achten, dass das Energiedefizit nicht  hoch genug ist, um eine Verlangsamung des Metabolismus auszulösen. Wenn man Fitnesssportler sieht, die enorm hohe Kaloriendefizite erzeugen, um schnell abzunehmen, sollte man auch beachten, dass diese einen Cheatday die Woche haben, einen Tag an dem mehr gegessen wird, als der Körper wirklich verbraucht, um diese Verlangsamung zu verhindern und auch um Energie zu tanken.

Bild vom tumblr-Account  Good Health and Fitness

Eine zu kalorienarme Ernährung bedeutet nämlich auch, dass einem die Energie fehlt, um ordentlich zu trainieren. Der Körper fährt auf Sparflamme und dementsprechend wird auch an Bewegungsradien gespart oder man fühlt sich schlapp und bringt einfach nicht die Kraft auf richtig mitzumachen, so dass man am Ende nur halbherzig trainiert, wenn überhaupt, denn wirklich Lust hat man auch zu nichts.
Das wiederum führt dazu, dass Muskelmasse abgebaut wird. Und Muskeln verbrauchen mehr Energie als Fett. Wieder haben wir das schon erwähnte Problem, dass sobald wir wieder beginnen normal zu essen, zunehmen, weil der Körper weniger Energie verbraucht.

Wie ernähre ich mich also richtig? Wichtig ist, dass selbst beim Abnehmen zumindest der Energiebedarf der metabolischen Basisrate abgedeckt ist, wenn man wirklich weniger essen möchte, dann sollte man trotzdem auf keinen Fall unter 1000kcal/Tag gehen, denn sonst besteht im Falle einer längeren Diät die Gefahr, dass der Körper komplett herunterfährt und man sogar zunimmt. Das bedeutet aber auch, dass der Körper sämtliche Wartungsarbeiten einstellt, teilweise in Extremfällen auch beginnt sich selbst abzubauen.
Ideal ist ein Kaloriendefizit von ca. 500kcal/Tag, was dann einem Gewichtsverlust von 500g in der Woche entspricht. In diesem Fall ist aber auch der größte Anteil des verlorenen Gewichts Fett und nicht wie im Falle von Crashdiäten Wasser oder Extremdiäten Muskel.

Außerdem sollte man immer, aber besonders bei einer Diät auf eine ausgewogene Ernährung achten. Das heißt, man sollte keine Makronährstoffgruppe wie Fett, Kohlenhydrate und Proteine komplett aus seinem Ernährungsplan streichen. Der Körper braucht Protein um Zellen, Enzyme und auch Muskeln aufzubauen, Proteine sind die Bausteine unseres Körpers. Kohlenhydrate sind die Energielieferanten, ohne sie läuft längerfristig gar nichts. Oder zumindest nicht effektiv. Fette werden vom Körper benötigt, um (fettlösliche) Vitamine zu transportieren und aufzunehmen, um Zellmembranen aufzubauen und verschiedene Stoffwechselvorgänge zu betreiben. Viele Fettsäuren sind essenziell, das bedeutet, dass der Körper sie nicht selbst bilden kann, sondern auf eine Zufuhr durch die Nahrung angewiesen ist (dasselbe gilt für einige Aminosäuren, die Bausteine, aus denen Proteine bestehen).
Allerdings kann man auf die Qualität dieser Makronährstoffe achten, statt Weißbrot und Zucker ist es besser Vollkornbrot und Obst zu essen, weil die darin enthaltenen Kohlehydrate dem Körper länger zur Verfügung stehen. Außerdem sind in Obst und Vollkornprodukten meist mehr Ballaststoffe enthalten, die dafür sorgen, dass man sich länger satt fühlt. Proteine finden sich zwar auch in Würstchen und Bouletten, besser ist es aber, magere Proteine und vor allem auch verschiedene Proteine zu sich zu nehmen. In Bohnen und Nüssen kommen pflanzliche Proteine vor, die aus anderen Aminosäuren aufgebaut sind als Rindfleisch. Und der Körper benötigt verschiedene Aminosäuren für verschiedene Aufgaben. Abwechslung ist also gut. Bei Fetten sollte man darauf achten ungesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen, allerdings bin ich hier vorsichtig, was ich sage, denn vor Kurzem habe ich gelesen, dass auch gesättigte Fettsäuren durchaus eine Relevanz im menschlichen Körper haben. Also gerne auch mal Butter essen, aber zum Braten und Backen lieber Pflanzenöl benutzen.

Ich hoffe, dieser Text konnte euch etwas weiterhelfen. Ich hatte eine Freundin, die der festen Überzeugung war, dass sie einfach immer nur weniger essen könne und damit abnehmen würde, und die sich dann wunderte, weswegen sie nicht mehr weiter abnimmt. Zwischenzeitlich war sie bei einer täglichen Kalorienzufuhr von 800kcal. Da ich nicht möchte, dass dasselbe Schicksal auch andere ereilt, hoffe ich, dass der ewige Diätenwahnsinn irgenwann ein Ende findet und durch eine gesunde Einstellung zum Essen ersetzt wird. Auf jeden Fall war es mir aus diesem Grund wichtig, diese Fakten auf einen Blick verfügbar zu machen.

Tuesday, 14 July 2015

Weniger ist mehr

Ich befinde mich gerade mitten in meinem Umzug nach Berlin. Nun ziehe ich aber nicht aus irgendeiner deutschen Stadt nach Berlin, nein, nicht mal aus einer mitteleuropäischen, sondern aus Tampere. Finnland. Das bedeutet, dass es für mich schier unbezahlbar ist, einfach all mein Hab und Gut in einen Sprinter zu packen und umzuziehen. Auch einer dieser praktischen Umzugscontainer, von denen in all diesen  Auswandererdokus immer die Rede ist, kommt für mich nicht in Frage. 

Umziehen an sich ist unangenehm, eben gerade weil man feststellen muss, wie viel Kram man eben über die letzten Jahre - oder in schlimmen Fällen Jahrzehnte - angesammelt hat. Ich bin seinerzeit, das heißt vor sieben Jahren, mit einem Koffer hier in Tampere eingetroffen. Ein Paket habe ich mir per Post hinterhergeschickt und immer wenn ich in Deutschland war, habe ich die wichtigsten Dinge, die ich vermisst habe, mitgenommen. Letztes Jahr bin ich schon von einer 52m² Wohnung in ein 10m² Zimmer gezogen, man kann sich also vorstellen, dass einiges an Kram schon damals auszusondern war. Aber jetzt sitze ich hier und frage mich immer noch, wo all das Zeug eigentlich herkommt. 
Das Gute daran? Ich kann alles aussondern, was ich nicht wirklich liebe. Und werde eine ganze Menge "Kram", nutzlosen Ramsch, los. Denn wir halten an vielem fest, was wir vielleicht irgendwann noch einmal brauchen könnten. An den Jeans in die wir seit Jahren nicht mehr reinpassen (in meinem Fall, weil sie zwei Kleidergrößen zu groß sind), an Stücken, die man uns geschenkt hat, an Dingen, die irgendwann noch mal nützlich sein könnten. 

Damit ist bei mir jetzt Schluss. Ich habe mich im Verlauf der letzten Wochen von etlichen Büchern und DVDs getrennt, ich habe Klamotten ausgesondert, ich habe Papierkram durchsortiert und alles Überflüssige weggeworfen. Und das ist exakt das, was die Autorin Marie Kondo vorschlägt: Bevor man überhaupt mit dem Wegwerfen beginnt, sollte man erst einmal sortieren. Außerdem ist es auch überwältigend und lähmend, wenn man sich mit einem riesigen Haufen diverser Dinge konfrontiert sieht. Stattdessen beginnt man den Prozess des Aussonderns am Besten mit Sortieren. Man sortiert seine Habseligkeiten in Kategorien:  Bücher, Kleidung, Papierkram, Diverses, Dinge mit emotionalem Wert. In dieser Reihenfolge, da diese sich als die Effektivste herausgestellt hat. Dabei geht es auch nicht um den Ort bzw. Raum, wo sich die Dinge befinden, sondern man geht nach eben diesen Kategorien vor. 
Die meisten meiner Uniunerlagen fanden ihren Weg ins Altpapier, ebenso Rechnungen und Zahlungsbelege von Versicherungen oder Verträgen, die ich schon lange gekündigt habe, auch alte Kontoauszüge habe ich ausgesondert.
Als nächstes folgten die Bücher. Für mich ehrlich gesagt eine der schwersten Kategorien. Viele habe ich in ein Antiquariat gebracht, ein paar der örtlichen Bibliothek gespendet. Einige Lehrbücher habe ich an Freunde weitergegeben, denn Unibücher können teuer sein.
Die Kategorie Kleidung erschien mir zu Beginn einfacher als sie dann im Endeffekt war, da ich dachte, ich könne nach dem Winter schon einmal alle Winterklamotten aussondern. Dem war allerdings nicht so, denn dieser Sommer in Finnland lässt einen definitiv darüber nachdenken, ob man Schal und Handschuhe nicht doch lieber noch in Reichweite behält. Letztendlich habe ich aber auch hier einiges an das Rote Kreuz und in die Altkleidersammlung gegeben. In Deutschland gibt es auch noch Humana, die gebrauchte aber noch tragbare Kleidung weiterverkauft. Außerdem habe ich einen Tisch auf einem Trödelmarkt gemietet und so ein wenig Geld mit meinen Markenklamotten gemacht.
"Diverses" umfasste bei mir größtenteils DVDs und Kosmetika. Auch hier gingen die DVDs an ein Antiquariat. Die Kosmetika hingegen musste ich wegwerfen, denn Kosmetika gehören zu den Dingen, die durch Hautkontakt etc. Keime und Bakterien weiterverbreiten (Weswegen man sich auch niemals den Mascara einer Freundin leihen sollte. Dies nur als Bemerkung am Rande). Küchenutensilien behalte ich nicht, da ich in Berlin zuerst zu meinem Vater ziehe, der eine voll ausgestattete Küche hat und dementsprechend eher weniger glücklich wäre, wenn ich mehr Töpfe und Schüsseln versuche in die Schränke zu origamien. Denn die sind größtenteils voll. Meine Lieblingstassen werde ich mitnehmen. Aber die zählen auch zu emotionalen Habseligkeiten. 
Diese waren an sich etwas schwerer wegzuwerfen. Manches, wie z.B. mein erstes Parfum, hatte mich schon lange begleitet, manches war ein Geschenk von meiner verstorbenen Großmutter. Aber ich brauche keine kaputte Kette, um mich an sie zu erinnern, und wenn mein erstes Parfum aufgrund seines Alters von fast 20 Jahren einfach nicht mehr so riecht wie zu Beginn, dann ergibt es keinen Sinn, diese Dinge aufzuheben. Oder? 
Und so sitze ich hier jetzt in einem sehr viel leereren Zimmer und muss mir nur noch über ein paar Dinge Gedanken machen. Zum Beispiel die Bücher, die ich noch nicht gelesen habe. Oder die ich nicht bereit war, auszusondern. Bis jetzt. Denn langsam wird die Zeit knapp. Dieses Wochenende habe ich begonnen, meinen Koffer für den ersten Teil meines Umzugs zu packen und festgestellt, dass das so nichts wird. Also geht es in eine neue Runde Aussortieren. 

Kondo empfiehlt, sich ein Ziel zu setzen, weswegen man sein Leben entrümpeln möchte. In meinem Fall ist das klar, ich habe einen Umzug bevorstehen. Doch wenn du dich daran machst auszusortieren, solltest du vorher wissen warum du das tust, um nicht irgendwann mittendrin abzubrechen. Es gibt medizinische Untersuchungen, die nachweisen, dass zuviel Gerümpel oder unnützes Zeug physisch Stress verursacht, insbesondere bei Frauen. Dabei bedeutet Gerümpel eine Masse an Besitztümern, die am falschen Ort herumfliegen und keine Ordnung haben. So kommt es auch, dass Stress Gerümpel verursacht, weil man keine Zeit dazu hat Dinge ordentlich zu verstauen. Ein weiterer Grund hierfür ist aber auch einfach die schiere Masse an Habseligkeiten, die wir heutzutage hamstern. Wir haben zu viel von allem. 
Und das ist ein weiterer Grund zu entrümpeln; wenn wir nur die Dinge behalten, die wir wirklich lieben, können wir uns mehr an ihnen erfreuen. Wir wissen, dass wir von Sachen umgeben sind, die wir mögen, nicht solchen, die wir in einem Anflug von "Das könnte ich vielleicht gebrauchen" gekauft oder nicht ausgesondert haben, als es Zeit dafür war. Warum sammeln wir alte Plastiktüten oder werfen Dinge, die kaputt gegangen sind nicht weg? Warum behalten wir das alte Handy oder den alten MP3-Player, obwohl wir uns einen neuen gekauft haben? 
Weniger ist eben doch mehr. Wenn wir alles aussondern, was wir nicht brauchen und an dem wir nicht hängen, sehen wir auch die Dinge, die uns am Herzen liegen, was wiederrum zu einem wohligen Gefühl von zuhause führen kann. Ich freue mich schon darauf, wenn ich die Dinge, die mir wirklich wichtig sind, in Berlin wieder auspacken kann. Aber lieber packe ich nur zwei Koffer aus als vier oder fünf, die mich auch noch zusätzlich Geld und Nerven kosten würden, wenn ich sie transportieren und aufgeben müsste.

Buchempfehlung: Marie Kondo: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. rororo Verlag.